Foto: aboutpixel.de / Hans Jörg Nisch

In diesem Blog veröffentliche ich lustige oder ernste Töne zu unterschiedlichen Themen, die mich bewegen.
Ich freue mich über jeden Kommentar.



Donnerstag, 27. Januar 2011

Kein Urteil im Namen des Volkes


Ich weiß nicht, ob Frau Dr. Bach schuldig war. Weder kenne ich die Einzelheiten der 13 Krankheitsfälle, um die es im Prozess ging noch habe ich das notwendige medizinische Wissen. Nicht einmal  die Richter, Staatsanwälte, Sachverständigen und Gutachter können dies sagen – nach fast achtjähriger Prozessdauer!

Deshalb finde ich es pervers, wenn die verantwortliche Staatsanwältin immer noch von einem fairen Prozess redet. Was ist fair daran, über einen solchen Zeitraum in den Medien als „Todesengel“ bezeichnet zu werden, der seine Patienten „totgespritzt“  hat? Wie lange kann man Schlagzeilen ertragen wie“ Todesengel verkauft jetzt Gesundheitspillen“?

Es ist auch interessant, zu beobachten, wie sich nach ihrem Selbstmord die Berichterstattung der Medien verändert hat. Von dem Grundsatz der Unschuldsvermutung war in den Beiträgen vorher jedenfalls wenig zu spüren. 

Was mich nachdenklich macht, ist, wie man auf Mechthild Bach aufmerksam wurde. Eine Krankenkasse wunderte sich über den aus ihrer Sicht hohen Verbrauch an Schmerzmedikamenten. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Palliativmedizin, denn muss sich jetzt nicht jeder Arzt fragen, ob er sich durch die nächste Morphiuminfusion vielleicht auch verdächtig macht? 
 
Ein Facharzt auf diesem Gebiet, der Palliativmediziner Professor Friedemann Nauck von der Uniklinik Göttingen nennt es ein großes Problem, dass Ärzte am Bett von Sterbenden verunsichert und alleine gelassen würden. Diese Unsicherheit könne dazu führen, dass Ärzte sich sagten: Bloß nicht zu viele Schmerzmittel!

Ich möchte nicht, dass Ärzte ihre Patienten lieber unnötig leiden lassen, aus Angst, ähnlich wie Frau Dr. Bach in einen Endlosprozess verwickelt zu werden. Ich möchte auch nicht, dass ein Arzt den Behandlungsplan vorher mit seinem Rechtsanwalt abstimmen muss.

  Foto: aboutpixel.de, Fotografin: Kirsten Oborny

Ich möchte keine „Durchschnittsmedizin“, sondern konkrete Einzelfallentscheidungen von Ärzten, die sich nicht nach üblichen Verbrauchskriterien der Krankenkassen richten.

Leider wird der dringend notwendige Ausbau der Palliativmedizin durch solche Endlosprozesse weiter belastet. Gleichzeitig dürfen Sterbehilfevereine wie der von Roger Kusch weiterhin ihre Dienste zum Preis von einmaligen 1000 Euro anbieten.

Für mich gehören die Verantwortlichen, die in diesem zermürbenden Prozess einen Menschen in den Selbstmord getrieben haben, endlich auf die andere Seite der Gerichtsbank.  

Samstag, 1. Januar 2011

Jahresrückblick Teil 2


Der Titel von Thilo Sarrazins Buch ist allerdings gar nicht so falsch, denn die Bundesregierung schafft sich tatsächlich ab. Zumindest schreibt sie ihre Gesetze wie z.B. zur Verlängerung der Pannenkraftwerke Atomkraftwerke nicht etwa selber, sondern überlässt dies den vier Atom(müll)riesen. Diese dürfen nun selbst entscheiden, welchen Anteil von den überhöhten Strompreisen sie nun in Form der Brennelementesteuer zurückgeben.  Als nächstes wird man wohl Steuerhinterzieher oder Bankräuber fragen, wie viel der Beute sie zurückgeben möchten.
Und was machen wir undankbaren Bürger? Wir regen uns darüber auf – sogar so schlimm, dass die Feuilletons für uns den Begriff Wutbürger erschaffen, der zum Wort des Jahres gewählt wurde. Statt dankbar dafür zu sein, dass man in Stuttgart ein unterirdisches ICE – Endlager errichten will, wird im Schlossgarten demonstriert, nur weil ein paar Bäume gefällt werden! Mit solchem Widerstand konnte von den Verantwortlichen nun wirklich niemand rechnen, in der Vorweihnachtszeit nimmt man das unsinnige Abholzen von Bäumen schließlich wesentlich toleranter hin.
Bei der Berechnung der Kosten für Stuttgart 21 hat man mal wieder gelogen sich offenbar etwas verrechnet, aber das sollte uns der Fortschritt schon wert sein.
 
Und Geld ist ja nun wirklich kein Problem für unsere Regierung. Immerhin hat Angela Merkel ihr politisches Versagen Können von Helmut Kohl gelernt, und wenn einer wusste, wie man Geld beschafft, dann er. 

Und was Stuttgart 21 betrifft: Immerhin haben wir dann nur noch 8 statt bisher 16 Gleise zur Verfügung, also 8 Gleise weniger, auf denen z.B. ein abgewrackter ICE steckenbleiben kann. Als die Straßenmeistereien von diesem genialen Konzept hörten, haben sie auf den Autobahnen auch nur noch die rechte Spur geräumt.

Das hätte sich ja auch keiner träumen lassen, dass es hier im Dezember friert und schneit. Ok, im Kalender steht zwar, dass wir Winter haben, aber die Klimaforscher haben doch gesagt, wir würden früher oder später alle überflutet – ok, Schnee ist streng genommen auch nur gefrorenes Wasser, trotzdem hatten wir bei Klimawandel eher an Malle gedacht als an Sibirien.

Aber ich mag den Winter, er zeigt mir nämlich, wie absurd wir Deutschen sind. Da sehnen wir uns jahrelang nach weißen Weihnachten und wundern uns dann, dass mit Schnee und Eis auch Verkehrsbeeinträchtigungen verbunden sind. Ja, es ist ja unerhört, dass  die Bahn hunderttausende gestrandete Fluggäste und Autofahrer nicht zusätzlich zu dem Feiertagsverkehr problemlos befördern kann. Nein, den Fluggesellschaften jetzt einen Vorwurf zu machen, das dort tagelang gar nichts geht, das wäre nicht gerecht, die müssen ja sogar unten bleiben, wenn in Island Staub aufgewirbelt wird. Bei der Bahn hätte man da schon längst nach standhafteren Triebwerken geschrien und von Missmanagement gesprochen.

Ich würde mir ja wünschen, dass BP auch eine Fluggesellschaft wäre, ich kann es nämlich gar nicht erwarten, dass die den Betrieb einstellen.

Den Betrieb eingestellt haben im letzten Jahr auch Leute wie Astrid Grotelüschen, Roland Koch, Ole von Beust, Horst Köhler, oder Walter Mixa.

Ich bin mal gespannt, ob unser Vizekannsnicht Westerwelle im nächsten Jahr auch in dieser Reihe steht.

Ein gesegnetes Jahr 2011 wünsche ich Ihnen