Foto: aboutpixel.de / Hans Jörg Nisch

In diesem Blog veröffentliche ich lustige oder ernste Töne zu unterschiedlichen Themen, die mich bewegen.
Ich freue mich über jeden Kommentar.



Donnerstag, 30. Dezember 2010

Jahresrückblick Teil 1


Zum Jahreswechsel möchte ich einen kleinen, mehrteiligen Jahresrückblick starten. Zu Beginn ein Video von Volker Pispers:




Thilo Sarrazin und seine Thesen lassen sich in einem Satz beschreiben: 

 Nicht jeder, der aus dem Rahmen fällt, war vorher im Bilde. 

Sarrazins Thesen lassen sich nämlich durch gründliche wissenschaftliche Recherche eindeutig widerlegen. Dennoch glaubt rund die Hälfte der Deutschen, dass er im Grunde Recht habe. Das liegt daran, dass er gezielt Ängste und Vorurteile schürt und einzelne Bevölkerungsgruppen gezielt gegeneinander aufhetzt.

Zu dieser Stimmung passt das seltene Phänomen, dass sich Politiker aller Couleur, von links bis rechts einig sind, dass Bildung wichtig ist - sowohl für die Integration von Ausländern als auch für sogenannte bildungsferne Deutsche. Doch Geld für Bildung ist nicht vorhanden. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass ein 10€ Gutschein für Nachhilfe, Sportvereine und Musikunterricht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein ist? Vielmehr zeigt dieser Betrag, dass unsere Regierung jegliches Gefühl für die Preise im eigenen Land verloren hat. Für Banker, Aktionäre und z.B. den Bau von Stuttgart 21 haben wir Milliarden übrig. Die Abwrackprämie war kein Problem, ein neuer Ranzen leider schon.  
Und die verzweifelten Eltern dürfen sich obendrein von unserer Bundesarbeitslosenministerin mit den Worten verhöhnen lassen, sie würde ja auch gern zum Mond fahren, wenn es ginge.

Glauben Sie uns, wir arbeiten daran, Ihnen diesen Wunsch zu erfüllen!

Was wäre eigentlich, wenn wir – angetrieben von Sarrazins Hetzparolen wieder unter uns sein wollten? Wir würden alle Ausländer ausweisen, alles Fremde ablehnen und sicherheitshalber eine große, dicke Mauer um uns ziehen, die uns vor den  Einflüssen der bösen Außenwelt schützen würde.
Intelligente Menschen haben aus diesen Fehlern der Vergangenheit gelernt - ganz ohne Gene

Kommen Sie gut ins neue Jahr, wir lesen uns.

Donnerstag, 23. Dezember 2010

Weihnachten ist KEIN Familienfest!




Es kommt nicht auf die Stimmung an! Sicher, die Weihnachtsdekoration, Tannenbaum, vielleicht das Zusammensein mit der Familie oder Freunden, Weihnachtslieder singen, Geschenke usw., das sind schöne Traditionen. Ich mag das sehr. Doch es sind nur Verzierungen. Weihnachten ist das Fest der Liebe, der Geburtstag Jesu Christi, durch den es endlich wieder Hoffnung gibt. Jesus Christus kommt als Kind, dass alles verändert – und zwar ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Drohgebärden oder fromme Anweisungen. Nur aus Liebe! Mit ihm ist eine neue Zeit angebrochen, die Zeit NACH Christi Geburt. Gnadenzeit.

Weihnachten ist kein Familienfest, es ist ein Fest für ALLE. Egal, ob man in einer festlich geschmückten Wohnstube feiert, zusammen mit seiner Familie oder Freunden, egal ob die Geschenke gut ankommen oder ob man sich vielleicht ausgerechnet am „Heiligen Abend“  so richtig zofft. Vielleicht, weil man sich selbst mit der ganzen Festtagsvorbereitung und dem Wunsch nach Perfektion völlig überfordert hat.

Die Weihnachtsbotschaft, die Gott uns durch seinen Engel mitteilt lautet:
FÜRCHTET EUCH NICHT! Siehe, ich verkündige euch große FREUDE, die ALLEM VOLK widerfahren wird; denn euch ist heute der HEILAND geboren, welcher ist Christus, der Herr.
Uns ist der Heiland geboren – ohne dass wir etwas dafür tun mussten.  Ja, das gilt auch, wenn das Essen angebrannt ist oder die Kerzen noch im Supermarkt stehen.

Und der HEILAND ist - das sagt schon das Wort – gekommen, um zu heilen. Deshalb wird es Weihnachten auch für diejenigen, die an diesen Tagen total traurig sind, z.B. weil sie um einen kranken Menschen bangen, weil sie Opfer eines schlimmen Verbrechens wurden oder für Menschen, die ausgerechnet an diesen Tagen einen geliebten Menschen verloren haben.

Weihnachten wird es auch für Menschen,  die ihren Arbeitsplatz verloren haben, die am Existenzminimum leben oder gar darunter. Die kein Geld haben, um Geschenke für ihre Lieben zu kaufen, auch wenn sie es vielleicht – wenigstens einmal im Jahr – so gerne tun würden.

Weihnachten wird es z.B. auch im Waisenheim St. Mary im Sektor 5 in Bukarest. Dort leben 24 behinderte Kinder. Sie wurden z.B. von ihren Eltern "abgegeben", weil die frühere kommunistische Regierung den Menschen eingetrichtert hat, dass behinderte Kinder wertlos sind. Traurig, aber wahr. Und diese Kinder erfahren nun, was Liebe ist. Es gibt am Heiligen Abend besonders gutes Essen und es gibt eine Weihnachtsfeier. Ich kann mir vorstellen, dass  trotz dieser Armut vielleicht sogar größere Weihnachtsfreude bei diesen Kindern herrscht als unter so manchen von uns, die wir doch reich sind.

Bei uns brennen und blinken so viele Lichter, dass die Nacht taghell ist. Doch es sind künstliche Lichter. Sie vermögen es nicht, echtes Licht in unsere Dunkelheit zu bringen. Sie trennen nur die, die im Rampenlicht stehen von denen, die im Dunkeln sind. Jesus ist anders. Jesus bringt das Licht ins Dunkel, er bringt es direkt zu denen, die es dringend brauchen. Er ist wie eine Kerze, er verzehrt sich, um Licht und Wärme zu spenden. Er trägt dieses tröstende, wärmende Licht der Hoffnung in die Dunkelheit.

Er lässt sich auch von greller Leuchtreklame nicht täuschen. Selbst da, wo der ganze Vorgarten hell erleuchtet ist, sieht er die dunklen Stellen und er möchte so gerne sein wärmendes, liebendes und vor allem sein heilendes Licht in unser Dunkel bringen. 

Weihnachten ist ein Neuanfang. Gott verändert sich und er möchte auch uns verändern. Er kommt in Person von Jesus in unsere Dunkelheit und macht sie hell. Er beginnt in völliger Armut, als obdachloses, hilfloses Baby in einer Futterkrippe, seine Eltern müssen mit ihm nach Ägypten fliehen. Ausgerechnet Ägypten! Das kommt in der Bibel nicht gerade gut weg, das steht für Vertreibung, Unterdrückung und Verdammung. Der Weg Jesu ist von Anfang an kein leichter Weg, doch er führt letztlich zu Gott, zur größten Herrlichkeit. Ich finde das sehr tröstend: Es gibt Leid auf dieser Welt, doch wir müssen nicht alleine dadurch. Jesus möchte uns begleiten, er möchte uns Licht spenden wenn es auf unserem Weg dunkel wird und er möchte uns leuchten, damit wir nicht vom Weg abkommen. Und wenn uns die Kraft ausgeht, dann trägt er uns.

Der Engel hat seine Worte „Fürchtet euch nicht, denn siehe ich verkündige euch große Freude“ nicht so daher gesagt, sondern er hat sie begründet: „Denn euch ist heut der Heiland geboren, welcher ist Christus, euer Herr.“

Das ist in der Tat eine gute Nachricht. Und zwar erst recht für die, denen es nicht gut geht, die Kummer haben, die traurig sind oder arm. Gesunde brauchen keinen Arzt, hat dieser Heiland später einmal treffend gesagt. 
Doch da, wo etwas nicht in Ordnung ist, wo etwas zerbrochen ist, wo mir etwas weh tut, aus welchem Grund auch immer, da beugt er sich zu mir herab und möchte mich heilen. Deshalb ist er der Heiland.

Fröhliche Weihnachten, ob alleine oder im Kreis der Familie


Zum Schluss ein wunderbar lustiges Loriot Video, in dem am Weihnachtstag auch nicht alles ganz perfekt läuft:




Montag, 20. Dezember 2010

Die Geschichte vom Lametta

Heute mal ein herrlich komisches Gedicht von Markus Simon:



Weihnachten naht, das Fest der Feste- 
Das Fest der Kinder - Fest der Gäste- 
Da geht es vorher hektisch zu..... 
Von Früh bis Abend - keine Ruh - 
Ein Hetzen, Kaufen, Proben, Messen - 
Hat man auch niemanden vergessen...?


So ging es mir - keine Ahnung habend - 
Vor ein paar Jahren - Heiligabend - 
der zu dem noch ein Sonntag war. 
Ich saß grad bei der Kinderschar, 
da sprach mein Weib: "Tu dich nicht drücken,
Du hast heut noch den Baum zu schmücken!"


Da Einspruch meistens mir nichts nützt, 
hab kurz darauf ich schon geschwitzt: 
Den Baum gestutzt - gebohrt - gesägt -
und in den Ständer eingelegt.
Dann kamen Kugeln, Kerzen, Sterne, 
Krippenfiguren mit Laterne, 
Zum Schluss - ja Himmelwetter......! 
Nirgends fand ich das Lametta!


Es wurde meiner Frau ganz heiß 
und stotternd sprach sie: "Ja, ich weiß, 
im letzten Jahr war's arg verschlissen - 
Drum habe ich es weggeschmissen. 
Und - in dem Trubel dieser Tage, 
bei Arbeit, Müh und Plage - 
Vergaß ich, Neues zu besorgen! 
Ich werde was vom Nachbarn borgen!


Die Nachbarn - links, rechts, drunter, drüber - 
die hatten kein Lametta über! 
Da schauten wir uns an verdrossen; 
Die Läden sind ja auch geschlossen....

"Hört zu! Wir werden heuer haben 
einen Baum -- altdeutscher Stil, 
Weil mir Lametta nicht gefiel..." 
Da gab es Heuler, Schlurzen, Tränen... 
und ich gab nach den Schmerzfontänen: 
"Hört endlich auf mit dem Gezeter - 
ihr kriegt nen Baum - mit viel Lametta!"


Zwar konnt' ich da noch nicht begreifen, 
woher ich nehm' die Silberstreifen, 
Doch grade, als ich sucht - mein Messer - 
da las ich: "Hengstenberg MILDESSA".. 
Es war die Sauerkrautkonserve! 
Ich kombinier mit Messers Schärfe: 
Hier liegt die Lösung eingebettet, 
das Weihnachtsfest, es ist gerettet!!!


Schnell wurd' der Deckel aufgedreht, 
das Kraut gepresst, so gut es geht - 
zum Trocknen - einzeln - aufgehängt- 
und dann geföhnt, - doch nicht versengt! 
Die trocknen Streifen, sehr geblichen 
mit Silberbronze angestrichen - 
Auf beiden Seiten, Silberkleid - 
Oh freue Dich, Du Christenheit!


Der Christbaum war einmalig schön, 
Wie selten man ihn hat gesehen! 
Zwar roch's süßsauer zur Bescherung, 
geruchlich gabs ne Überquerung, 
weil mit Benzin ich wusch die Hände, 
mit Nitro reinigt die Wände, 
dazu noch Räucherkerzen und Myrthe - 
Der Duft die Menge leicht verwirrte!
Und Jemand sprach still und verwundert: 
"Hier riechts nach technischem Jahrhundert!"


Ne Woche drauf... Ich saß gemütlich
im Sessel, las die Zeitung friedlich, 
den Bauch voll Feiertage-Reste, 
es war wieder Sonntag - und Sylvester.

Es sprach mein Weib: "Du weißt Bescheid?! 
Es kommen heut zur Abendzeit 
Schulzes, Lehmanns und Herr Meier 
zu unserer Sylvesterfeier..."

Wir werden leben wie die Fürsten - 
es gibt Sauerkraut mit Wiener Würsten!" 
Ein Schrei ertönt! Entsetzt sie schaut: 
"Am Christbaum hängt mein Sauerkraut!!! 
Vergessen, Neues zu besorgen - 
Ich werde was vom Nachbarn borgen!"
Die Nachbarn links, rechts, drunter, drüber -
die hatten - leider - keines über.
Da schauten wir uns an verdrossen: 
Die Läden sind ja auch geschlossen!


Und so ward wieder ICH der Retter 
nahm ab vom Baume das Lametta! 
Mit Terpentinöl und Bedacht
hab ich das Silber abgemacht. 
Das Kraut dann gründlich durchgewässert, 
mit reichlich Essig noch verbessert, 
dazu noch Nelken, Pfeffer, Salz 
und Curry, Ingwer, Gänseschmalz.
Dann, als das Ganze sich erhitzte - 
das Kraut das funkelte und blitzte - 
da konnt ich nur nach oben flehen: 
Lass diesen Kelch vorübergehen!


Als später dann das Kraut serviert 
ist auch noch folgendes passiert: 
Als eine Dame musste niesen 
sah man aus ihrem Näschen sprießen 
tausend kleine Silbersterne...
"Machs noch einmals, ich seh's so gerne" :-)

So rief man ringsum, hocherfreut -
die Dame wusste nicht Bescheid!

Franziska Lehmann sprach zum Franz: 
"Dein Goldzahn hat heut Silberglanz!" 
Und einer, der da musste mal 
der rief: "Ich hab nen Silberstrahl!" 
So gabs nach dieser Krautmethode
noch manche nette Episode!


Beim Heimgang sprach ein Gast zu mir:
"Es hat mir gut gefallen hier,
doch wär die Wohnung noch viel netter
hättest du am Weihnachtsbaum Lametta!!!" 
Ich konnte da gequält nur lächeln 
und mir noch frische Luft zufächeln. 
Ich sprach - und klopfte ihm aufs Jäckchen: 
"Im nächsten Jahr, da kauf ich 100 Päckchen!!"

Sonntag, 19. Dezember 2010

Mary. did you know...

Ich habe heute ein wunderschönes Musikvideo gefunden.
Ich finde, es passt hervorragend zum 4. Advent:





Samstag, 18. Dezember 2010

Kinder haben etwas Besseres verdient als den Weihnachtsmann!




Halt dich an mir fest wenn dein Leben dich zerreißt  – das ist auch die Botschaft von  Jesus Christus.  

Doch ich habe das Gefühl, dass unsere Weihnachtszeit immer weniger mit ihm zu tun hat. X-mas (oder besser noch XXL-Mas) statt Christmas.

In der Weihnachtsgeschichte ist von Menschen die Rede, die allen Grund hatten, NICHT in Weihnachtsstimmung zu sein oder besser gesagt: nicht in X-Mas Stimmung!

Maria und Josef zum Beispiel. Maria war hochschwanger, trotzdem zwang die Regierung sie zu einer langen Reise. Ohne Auto oder Eisenbahn. Linienbusse waren auch noch nicht erfunden.
Dazu steckten Maria und Josef in einer tiefen Beziehungskrise. Maria war schwanger – aber nicht von Josef. Wie der sich fühlte, können sich vielleicht Menschen vorstellen, die sich auch schon betrogen vorkamen, vielleicht ausgerechnet zur Weihnachtszeit.

Von der Unterkunft, in der die Geburt stattfand ganz zu schweigen.

Später (Josef wusste mittlerweile, dass Maria ihn NICHT betrogen hatte) mussten sie auch noch nach Ägypten fliehen, weil Herodes ihr Kind umbringen wollte. Fröhliche Weihnachten im Kreis der Familie stellt man sich anders vor!

Aber genau DAS war Weihnachten. Und Jesus, der Heiland mittendrin. Für sie – die Menschen -  ist er auf diese Erde gekommen, ihnen gilt das „Fürchte dich nicht“ oder das „Halt dich an mir fest“ aus dem Revolverheld – Song.   

Oder die Hirten auf dem Feld. Sie hatten eine harte, schlecht bezahlte Arbeit, waren bei ihrer Nachtschicht Wind und Wetter ausgesetzt und wenn Wildtiere die Herde angriffen konnte es sogar Lebensgefährlich werden.

Weihnachten war für sie noch kein gesetzlicher Feiertag, sie dachten auch nicht an einen Festtagsbraten oder auch nur an ein paar Kekse. Doch auch für sie wurde es Weihnachten, sie waren sogar die Ersten, die davon erfuhren.

Sollte ich einmal Vater werden, dann werde ich meinen Kindern die Lüge vom Weihnachtsmann ersparen. Stattdessen werde ich ihnen vom Heiland erzählen. 

Manche sagen ja, sie wollten mit diesem Märchen vom Weihnachtsmann den Kindern eine Freude machen. Doch der Weihnachtsmann ist ein Kinderschreck! Sie werden unsicher, verstecken sich oder fangen gar an zu weinen, wenn er auftaucht. Mich wundert das nicht. Da kommt ein Typ an, ruft selbstherrlich sein Ho Ho Ho in die Runde, wedelt drohend mit der Rute und fragt erstmal, ob alle auch schön lieb waren. Unnahbarer geht’s kaum.  Wie kommt man nur auf die Idee, dass Kindern so etwas gefallen könnte? Dagegen ist ja eine Polizeikontrolle das reinste Vergnügen.
Ach ja, die Geschenke. Ok, die hab ich bei einer Polizeikontrolle noch nicht bekommen aber die gibt’s ja eigentlich nur, wenn man artig genug war.

Mit der Weihnachtsbotschaft hat das absolut nichts zu tun, ganz im Gegenteil. Jesus kommt als kleines Kind auf diese Welt und nicht als großer Zampano.

Er kommt als Heiland. Er sorgt und kümmert sich. Das bedeutet zunächst einmal, dass er zuhört, was mich bedrückt und damit wird er ganz persönlich. Er ist gekommen, um eine Beziehung zu mir aufzubauen. Er will mein Licht sein, das mir beim Einschlafen hilft – sogar dann, wenn ich in meinen sorgenvollen Nächten abgewandt von ihm schlafe. Von einem Weihnachtsmann habe ich so etwas noch nicht gehört.  

Dienstag, 14. Dezember 2010

Ich kann mich nicht satt sehen...

…an diesem Bild von der Krippe. Ich kann mich nicht satt sehen an dieser Rose, der Königin aller Blumen, die wie aus einem Baumstumpf, den man schon für tot gehalten hat, aufwächst.

Weihnachten ist nicht nur ein Fest der Liebe und der Freude, sondern es ist auch ein Fest der Hoffnung.
Die Weihnachtsgeschichte und das Lied „Es ist ein Ros‘ entsprungen, zeigen uns, dass auch aus Dingen, die uns schon verloren erscheinen, prachtvolles, wunderschönes entstehen kann.
So ist auch der zweite Teil der ersten Strophe zu verstehen:
     Es ist ein Ros‘ entsprungen,
    aus einer Wurzel zart.
    Wie uns die Alten sungen,
    von Jesse kam die Art.
    Und hat ein Blümlein bracht
    Mitten im kalten Winter
    wohl zu der halben Nacht

Am 21. Dezember ist Wintersonnenwende, ein wichtiger Zeitpunkt damals, als es noch kein elektrisches Licht gab und man noch viel abhängiger von dem natürlichen Licht war: Langsam siegte das Licht wieder, die Tage wurden länger, das Dunkel, die Nächte kürzer, es ging wieder aufwärts, man konnte wieder mit guten Erwartungen, mit neuer Hoffnung in die Zukunft schauen.

Ich liebe Krippen, ich kann gar nicht genug davon bekommen, meine Krippe hier bei mir oder anderswo anzuschauen. Meine hier kenne ich von klein auf, sie stand früher im Wohnzimmer meiner Eltern und ich konnte es gar nicht verstehen, als meine Mutter sie ausrangiert und durch eine neue, bunte Krippe ersetzt hat. Für mich ist diese alte, braune Krippe die weihnachtlichste Krippe, die ich mir vorstellen kann. Nein, schön ist sie eigentlich nicht, sie sieht sogar eher ärmlich aus. Und die Figuren sind auch nicht angemalt. Aber sie ist für mich total weihnachtlich. Sie passt in meinen Augen viel besser zu Weihnachten als eine bunte Krippe.

Die Geburt Jesu war eine Geburt unter erbärmlichsten Umständen. Maria musste Jesus in eine stinkende, Futterkrippe legen! Es gab keinen elektrischen Strom, es war dunkel, kalt und es hat gestunken, wie Mist eben stinkt. (Ok, in diesem Punkt ist meine Krippe nicht besonders authentisch, aber das iust mir dann doch ganz recht so J) 
So tief herab ist Gott gesunken, so weit ist er gegangen, aus Liebe zu uns Menschen, aus Liebe zu mir, aber auch zu meinen Mitmenschen. Sogar zu denen, die ich gar nicht ausstehen kann.
Das ist der Grund, warum ich mich an diesem Bild von der Krippe nicht satt sehen kann.
Es ist für mich ein Bild der Geborgenheit, ein Bild, dass mir wie kaum etwas anderes seine Liebe aufzeigt, in dem ich Freude und Hoffnung finde.
Die Adventszeit ist gewissermaßen auch unser Weg hin zur Krippe. Wir haben schon das Ziel im Visier, ja ich kann Heiligabend kaum noch erwarten. Ok, das mit der Geduld war noch nie meine Stärke J

    Ich sehe dich mit Freuden an                           
    und kann mich nicht satt sehen  
    und weil ich nun nichts weiter kann,              
    bleib ich anbetend stehen.       

In dem Lied „Ich steh an deiner Krippe hier“ – eines meiner Lieblingsweihnachtslieder, macht Paul Gerhardt wunderschön deutlich, dass es an Weihnachten um meine Beziehung zu diesem Kind in der Krippe geht




Samstag, 11. Dezember 2010

Allzu menschlich

Mein erstes Gedicht:


Leistung muss sich wieder lohnen
Das gilt auch für’s Weihnachtsfest!
Jetzt ist wieder Zeit zu drohen:
Fall nicht durch, beim Bravheitstest!

Warst du morgens immer pünktlich?
Fallen deine Schwächen nicht ins Gewicht?
Warst bei der Arbeit immer gründlich?
Oh Christenkind, dann freue dich!

Doch für die Bösen, Faulen, Schlechten,
sieht die Bescherung nicht gut aus.
Und auch für alle Ungerechten
holen wir die Rute raus!

Allzu menschlich – diese Sicht.
So funktioniert halt unser Leben.
Doch Jesus Christus ist das Licht,
und will bedingungslose Liebe geben!

Er ist nicht wie diese turbulente Zeit,
Er ist wie warmer Kerzenschein,
statt greller Oberflächlichkeit
zieht Licht und Hoffnung mit ihm ein.

 
So wie das Wachs der Kerze
Sich selbst opfernd ihre Flamme nährt
So schenkt sich Jesus jedem Herzen,
das auf seine Stimme hört.

Sonntag, 7. November 2010

Der Abschiedsbrief

Nein, keine Angst, ich mache nicht Schluss.
Ich habe einen interessanten Text im Netz gefunden. Ist ganz lustig zu lesen, sowas mag ich ja:

Lieber Gatte 

ich schreibe Dir diesen Brief, um dir mitzuteilen, dass ich Dich jetzt endgültig verlasse. Ich war Dir sieben Jahre lang eine gute Frau und habe nie etwas davon gehabt. Die letzten zwei Wochen waren die Hölle. 
Heute hat mich nun Dein Chef angerufen, um mir zu sagen das du heute gekündigt hast - das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. 
Letzte Woche bist Du heimgekommen und hast nicht einmal bemerkt, dass ich beim Friseur und bei der Maniküre war, Dein Lieblingsessen gekocht hatte und sogar ein nagelneues Negligee anhatte. Du bist heimgekommen, hast alles in zwei Minuten herunter geschlungen und bist sofort schlafen gegangen, nachdem Du Dir noch das Spiel angeschaut hast. Du sagst mir nicht mehr, dass Du mich liebst, Du berührst mich nicht mehr, gar nichts tust Du. Entweder gehst Du fremd, oder Du liebst mich nicht mehr, wie auch immer, ich bin jetzt weg. 
P.S: Falls du mich suchen solltest, lass es besser bleiben. Dein BRUDER und ich ziehen zusammen nach Bielefeld. Schönes Leben noch!!! 

Die Antwort: 

Liebe Exfrau, 

nichts hätte mir den Tag ähnlich versüssen können wie Dein Brief. Es stimmt, wir sind nun schon seit sieben Jahren verheiratet, obwohl Du ja nun wirklich alles andere als eine gute Frau warst. Ich schau mir so viel Sport im Fernsehen an, um Dein ständiges Gemotze auszublenden. Schade dass es nicht klappt. Ich habe sehr wohl gemerkt, dass Du Dir letzte Woche alle Haare hast abschneiden lassen: das Erste, was mir in Sinn kam, war: "Du schaust ja aus wie ein Kerl!" 
Meine Mutter hat mich dazu erzogen lieber gar nichts zu sagen, wenn man nichts Schmeichelhaftes sagen kann. Als Du "mein" Lieblingsessen gekocht hast, musst Du mich wohl mit meinem Bruder verwechselt haben? Ich esse nämlich seit sieben Jahren kein Schweinefleisch mehr. Ich bin schlafen gegangen, als Du das neue Negligee anhattest, weil das Preisschild noch dranhing. Ich hoffte, dass es nur ein Zufall war, dass mein Bruder gerade 50.-Euro von mir geborgt hatte und das Ding 49,99 gekostet hat. 
Trotz alledem habe ich Dich immer noch geliebt und gedacht, dass sich alles zum Guten wenden würde. Als ich herrausfand, dass ich 10 Millionen im Lotto gewonnen habe, habe ich gekündigt und uns zwei Tickets nach Jamaika gekauft. Aber als ich zuhause ankam warst Du schon weg. Wahrscheinlich geschieht alles aus einem bestimmten Grund. Ich hoffe für Dich, dass Du nun das ausgefüllte Leben lebst, das Du immer haben wolltest. Mein Anwalt meint, dass Du nach dem Brief keinen Cent von mir siehst. Schau halt, wo du bleibst. 

P.S Ich weiss ja nicht ob du das wusstest aber mein Bruder Carl war früher eine Carla. ich hoffe das macht dir nichts aus. 

Gezeichnet dein EX 
(Schweinereich und frei


Ich habe in letzter Zeit das Gefühl, trotz oder gerade aufgrund der vielfältigen Kommunikationswege, die uns heute zur Verfügung stehen, nehmen wir immer weniger voneinander wahr.
Die Kommunikations nimmt quantitativ zu aber qualitativ ab. Ich erfahre, dass mein Freund jetzt 5 neue Facebookkontakte hat, kriege aber nicht mehr mit, wie es ihm geht und was er sich wünscht.
Irgendwie sprach mir dieser Text heute so richtig aus dem Herzen.

Donnerstag, 4. November 2010

Obstgartenbesitzer

Es war einmal ein Mann, der hatte einen wunderbaren Obstgarten. Die Obstbäume in seinem Garten trugen köstliche Früchte. Deshalb kamen die Menschen von weither, um sie zu kaufen.  
Doch dann reichte es dem Obstgartenbesitzer nicht mehr, nur leckere Früchte in seinem Garten zu haben. Er baute eine Schablone, damit möglichst alle Bäume schön gleich aussahen. Diese stülpte er jedem Baum über und presste ihn so in die gewünschte Form.
Doch einigen Bäumen bekam das nicht gut. Zuerst merkte man auch ihnen kaum etwas an, aber mit der Zeit machte sich bemerkbar, dass weniger Licht durch ihre Krone fiel. Sie brachten dem Obstgartenbesitzer immer weniger Früchte ein, so dass er schließlich beschloss, sie zu fällen und durch neue zu ersetzen.

Durch die entstandene Lücke traf empfindliche Zugluft auf andere Bäume. Sie erschraken über die plötzlich empfundene eisige Kälte und waren irritiert. Sie stellten fest, dass sich die Atmosphäre im Obstgarten plötzlich verändert hatte. Zwar versuchten sie, sich so gut es geht den ungewohnten Bedingungen anzupassen, doch mit den neuen klimatischen Bedingungen hatten sie ihre Probleme. Sie litten auch besonders darunter, dass neuerdings der Dünger rationiert wurde. All das führte dazu, dass sie immer häufiger krank wurden.  

Andere Bäume hingegen trugen auch weiterhin massig viele und köstliche Früchte. Sie waren der ganze Stolz des Obstgartenbesitzers. Gerade jetzt, wo die neuen Jungpflanzen noch im Wachstum waren, andere Bäume schwächelten und einige Kunden nach den Früchten der gefällten Bäume fragten, waren sie ihm nützlich. Immer mehr Früchte wuchsen auf ihnen, manchmal hatte man das Gefühl, als versuchten Sie verzweifelt, den Ausfall der anderen Bäume zu kompensieren. Zwar wurden sie immer stärker belastet, doch genau so stellte sich der Obstgartenbesitzer einen guten Baum vor: 

Die Veränderungen im Obstgarten waren auch der Kundschaft nicht entgangen. Immer wieder fragten Menschen nach den Früchten der gefällten Bäume. Viele kamen auch überhaupt nicht mehr. Sie stellten fest, dass der Obstgärtner genauso war wie alle anderen auch. Ihm waren die Bäume in seinem Garten im Grunde völlig egal. Es ging ihm einzig darum, möglichst viel Obst an möglichst viele Kunden zu verkaufen. Ob es den Bäumen dabei gut ging, war für ihn zweitrangig.

Heute ist der Obstgartenbesitzer einer von vielen. Die Bäume mit seinen leckersten Früchten ließen sich nicht in seine Form pressen und wurden gefällt.  
Andere wurden durch die neue, eisige Atmosphäre stark geschwächt. Sie konnten nur mit großer Mühe überleben, ihre Fruchtbarkeit ließ nach und sie wurden immer anfälliger für Krankheiten.

Ohne die starken Bäume, die bewundernswert, aber leider sehr selten sind und die auch unter größten Lasten nicht zusammenbrechen, wäre der Weingartenbesitzer heute wohl nicht mehr überlebensfähig. Hoffen wir, dass sich die Atmosphäre in seinem Garten nicht weiter verschlechtert und auch sie beeinträchtigt oder dass ihre starken Äste irgendwann doch zu schwach werden und unter der immer größer werdenden Last brechen.


Es ist nicht schwer zu erraten: Hier geht es um Mitarbeiterführung.
„Weißt du, warum unserem Chef nichts passiert, wenn er einen Finger in die Steckdose steckt?“ – „Nee, erzähl.“  - „Weil er ein schlechter Leiter ist!“

In vielen Unternehmen wird das Betriebsklima eisiger. Die Firmenleitung unterschätzt dessen Wichtigkeit  oder man hat einfach nur Angst, die Kontrolle zu verlieren.   Die Spitze des Eisberges sind die sogenannten Bagatellkündigungen, die für die Betroffenen leider alles andere als Bagatellfälle sind.

Dabei ist es erwiesen, dass ein gutes Betriebsklima die beste Voraussetzung für eine hohe Produktivität ist.

Wenn ich mir die "Mitarbeiter" Jesu, die Apostel so anschaue, staune ich, welch wachen Blick für ihr oft ziemlich verborgenes Potenzial er bei ihrer Auswahl hatte. Da war z.B. Petrus: Extrem motiviert, immer bereit, alles zu geben, nie um einen starken Spruch verlegen, bereit, Jesus notfalls sogar mit dem Schwert zu verteidigen und der doch immer wieder seine eigene menschliche Schwäche zu spüren bekam.
Oder Thomas, der nur glaubte, was er selber gesehen hatte. Der so seine Zweifel hatte, wenn andere ihm Geschichten erzählten, die für ihn unvorstellbar waren.
Da war Matthäus, der so völlig unchristlich erschien – ein Zolleinnehmer! So einer passt doch nicht zu Jesus!
Oder doch?
Von Judas Iskariot mal ganz zu schweigen.

Ich weiß nicht, wie das „Betriebsklima“ zwischen Jesus und seinen Jüngern war. Damals gab es ja nicht einmal Betriebsräte. Die Bibel erzählt jedoch von einem Gespräch zwischen Jesus und Petrus nach dem wohl größten Fehler, den Petrus sich geleistet hatte. Jesus machte ihm erstaunlicherweise keine Szene, er sagte nicht: Du darfst unter folgenden Bedingungen wieder für mich arbeiten, es gab weder eine Abmahnung noch hat er ihn entlassen, strafversetzt oder degradiert.
Er hat nur gefragt: "Liebst du mich?" 
Als Petrus diese Frage bejahte, gab ihm Jesus eine große Aufgabe: „Weide meine Schafe!“

Jesus zu folgen war für Petrus eine Herzensangelegenheit. Ja, er hatte seine Schwächen. Er hat Fehler gemacht, aber er war absolut begeistert für Jesus. Gibt es eine größere Loyalität als Liebe?

Ich wundere mich, weshalb ausgerechnet in christlichen Kreisen ganz oft die Freude an der Mitarbeit unterschätzt wird. Es geht doch darum, die frohe Botschaft weiterzugeben, wie soll dass denn ohne Freude gehen?

Ich glaube, ohne Freude kann kein Obstgarten auf Dauer bestehen. Ein Baum ohne Freude kann keine Freude tragen. Ein Baum ohne Freude kann niemals zu den belastbaren Bäumen im Obstgarten gehören. Möchten Sie im Restaurant von einem traurigen Mitarbeiter bedient werden? Möchten Sie im Zirkus von einem traurigen Clown unterhalten werden? Nur von Schminke geblendet?

Ich bin überzeugt, dass man die frohe Botschaft auch nur durch frohe Mitarbeiter weitergeben kann. In einem anderen Obstgarten würde ich irgendwann eingehen.

Dienstag, 2. November 2010

Panzerglas vs. Gottvertrauen

Ein Video zum Schmunzeln und Nachdenken:



Ich mag Hagen Rether. Er spricht in diesem Video von Gottvertrauen. Ich bin mir allerdings sicher, dass sich der Papst nicht aus Angst vor Gott durch Panzerglasscheiben schützen lässt, sondern weil es sowohl unter den zitierten Schafen als auch unter den Wölfen Extremisten gibt. Und die sind eben gefährlich.

Dennoch bringt mich der Beitrag von Hagen Rether zum Schmunzeln, weil eben auch viel Wahres drin steckt.
Vielleicht handelt der Papst mit seinem Papamobil sogar ganz nach biblischem Vorbild?

Ich denke da an die Geschichte aus Markus 4, 37-40:
Doch bald darauf erhob sich ein heftiger Sturm, und hohe Wellen schlugen ins Boot, bis es fast ganz voll Wasser gelaufen war. Währenddessen schlief Jesus hinten im Boot mit dem Kopf auf einem Kissen. In ihrer Verzweiflung weckten sie ihn schließlich und riefen: »Lehrer, macht es dir denn gar nichts aus, dass wir umkommen?« Jesus erwachte, bedrohte den Wind und befahl dem Wasser: »Schweig! Sei still!« Sogleich legte sich der Wind, und es herrschte tiefe Stille. Und er fragte die Jünger: »Warum seid ihr so ängstlich? Habt ihr immer noch keinen Glauben?«

"Habt ihr keinen Glauben?" heißt es in dem Bibeltext und genau um diese Frage geht es ja auch in Hagen Rether's Papstkritik. Früher war es ein Fischerboot, heute ist es ein gepanzerter Mercedes.

Mich hat das zum Nachdenken gebracht.

Die Bibel selber berichtet an dieser Stelle über einen Gott, der seelenruhig schläft, während die Jünger in Seenot geraten. Stimmt das also gar nicht, dass Gott einen guten Plan hat, für unser Leben? Will er lieber seine Ruhe haben, statt uns zu helfen?
Ich glaube, wenn dem so gewesen wäre, dann hätte er nicht dem Sturm geboten, zu schweigen sondern seinen Jüngern. Jesus war deshalb so gelassen, weil er wusste, dass er nicht in diesem Sturm umkommen würde. Er wusste, dass dieser Sturm nicht sein Ende sein würde, egal, wie schlimm er wüten mochte.

Ich glaube nicht, dass diese Bibelstelle uns aufrufen möchte, uns überall völlig schutzlos zu bewegen. Der Sicherheitsgurt und der Airbag im Auto, die Schutzkleidung auf dem Motorrad und vielleicht auch die Panzerglasscheiben im Mercedes haben durchaus ihren Sinn.
Doch Gott sitzt eben auch in stürmischen Zeiten mit uns im Boot. Ich glaube, er möchte, dass wir ihm auch in stürmischen Zeiten vertrauen, auch, wenn wir vielleicht den Eindruck haben, er hört uns gar nicht.
Und vielleicht will sie uns auch verdeutlichen: Auch im Leben von Christen gibt es Stürme! Wir haben als Christen kein leichteres Leben, wir müssen mit denselben schmerzhaften Krankheiten rechnen wie Nichtchristen, auch wir können uns einsam und verlassen fühlen, unser Geschäft kann Pleite machen und so weiter. Nochmal: Er schaut dabei nicht aus weiter Ferne zu, er selber ist mit uns im Boot und will uns ein Beispiel an Gelassenheit und Vertrauen geben. Dadurch ändert sich alles. Es ist kein naives "Heile heile Gänschen, es wird schon wieder gut," sondern echter Beistand.

Kann es sein, dass ER möchte, dass wir im Vertrauen zu ihm durch manchen Sturm gehen? Mit ihm gemeinsam? Dass wir auch mal die gepanzerte Limousine gegen ein offenes Cabrio eintauschen oder ein Fahrrad? Da sind wir zwar Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert, da kann es stürmisch werden, aber es ginge insgesamt offener zu. Wie schutzlos ist er gewesen? Im Stall von Bethlehem oder am Kreuz? Und dennoch hat ihn sein Gottvertrauen durch alle Stürme getragen. Selbst Panzerglas gibt irgendwann nach. Jesu Vertrauen tat das nicht.

Montag, 1. November 2010

Lutheraner als Spaßbremsen

Endlich mal wieder eine Gelegenheit, so richtig auf die Spaßbremse zu treten. Das können wir Christen ja besonders gut. Schluss mit lustig!
Wozu brauchen wir Halloween überhaupt? Zum Verkleiden und Fremdgehen (ach nee, das tun wir ja nicht) haben wir den Karneval, Süßigkeiten sammeln wir beim Martinssingen und überhaupt, uns Lutheranern „gehört“ dieser Tag doch irgendwie, oder?
Ich bin fest davon überzeugt, dass sich in Wahrheit durch die ganzen Halloweenfeiern in Deutschland auch nicht eine einzige Person davon abhalten lässt, den Reformationstag zu feiern.
Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, erst durch diese gefühlte Konkurrenzsituation mit einem ungeliebten, heidnischen Brauch fangen wir wieder an, uns um diesen Tag wenigstens etwas zu bemühen. Wenn auch nur etwas.
Reformationstag dauert vielerorts eine Stunde – meistens von 10 bis 11 Uhr.
In der Kirche singen wir zur Feier des Tages den Lutherklassiker „Ein feste Burg ist unser Gott“ und natürlich findet sich das Thema Reformation auch in der Predigt wieder. Glückwunsch, liebe Kirche, ihr wisst, wie man etwas zu einem Megaevent macht!
Um Missverständnissen vorzubeugen: ich liebe dieses Lied von Luther und finde es auch richtig, an diesem Tag über Reformation zu predigen. Aber Luther hat 95 Thesen an eine Kirchentür gehämmert. Er hat an diesem Tag etwas völlig anderes getan, etwas, was unerhört war. Er hat sich nicht in die Bank gesetzt, die Hände in den Schoß gelegt gefaltet und fromme Lieder gesungen.
Bei mir ist an diesem Sonntag eine ältere Dame in den Bus gestiegen, die von einer christlichen Veranstaltung kam. „Wegen dem schönen Garten dort sei sie nochmal hingegangen, aber wohl das letzte Mal, denn die Leute dort seien zu hochnäsig und hielten sich für etwas Besseres.“
Und genau DAS macht mich traurig. Statt selber kreative Konzepte zu entwickeln und diese menschenfreundlich und auf Augenhöhe anzubieten, spielt sich die Kirche ausgerechnet zu diesem Anlass als Moralapostel auf! Passt euch gefälligst uns an oder bleibt weg.

Wenn das auffälligste, was die Kirche an diesem Tag zu bieten hat, ein Anti – Halloween Plakat ist, wenn mehr über die Kritik an Halloween von führenden Kirchenleuten zu hören ist, als inhaltliches zum Thema Reformation, dann gute Nacht! Dann müssen wir uns wirklich um den Reformationstag Sorgen machen – mit oder ohne Halloween.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Gottesdienst - Nur zu Besuch?

Zu diesem Blogeintrag wurde ich durch einen Text von Kerstin Hack inspiriert, der in voller Länge hier zu lesen ist:

http://lesbar.down-to-earth.de/glauben-spiritualitaet/kerstin-hack-mein-kleiner-frommer-schaden-ich-bin-nicht-gottesdienst-%E2%80%93-tauglich/2006-09-14/

Wir laden Sie herzlich ein! Besuchen Sie unseren Gottesdienst!
Oft habe ich das Gefühl, dass diese gutgemeinte Einladung ehrlicher ausgedrückt lauten könnte: Hören Sie aufmerksam zu aber seien Sie leise und stören Sie nicht!


Schon an dem Begriff „Gottesdienstbesucher“ stoße ich mich, obwohl Besuche an sich etwas sehr schönes sind. Nichts dagegen! Nur wenn ich z.B. ein Fußballspiel besuche, schaue ich zu, wie andere Fußball spielen. Wenn ich ein Kino, ein Theater oder ein Musical besuche, schaue ich mir die Vorstellung an. Wenn ich meine Eltern besuche, kann ich meistens ein Essen genießen, welches ich selber so nicht hinbekommen würde. Für einen Gottesdienst ist mir das zu passiv. Ich gehe ja auch nicht "zu Besuch" auf die Sylvesterparty, sondern ich feiere aktiv mit. Ich bin Teilnehmer dieser Party, nicht Besucher.


„Wenn ich mit Geschwistern Jesus feiere, möchte ich gerne auch etwas von dem hören und sehen, was die anderen zu sagen und zu geben haben.“

Diesem Satz von Kerstin Hack kann ich nur zustimmen.


Ich sehne mich nach einer Gottesdienstform, in der jede/r Teilnehmer/in sich einbringen kann. Wo jede/r berichten, erzählen oder vielleicht auch mal fragen darf, was ihr oder ihm auf dem Herzen liegt.


Wo die Gemeinde vielleicht auch mal gefragt wird, welche Predigtthemen ihr besonders am Herzen liegen?


Wir singen wunderschöne Lieder aus der Reihe „Feiert Jesus“, dann muss doch auch Raum dafür sein, diese Freude und Begeisterung mit anderen zu teilen! Hat das auch Platz in der Gottesdienstfeier oder wird das an den Rand geschoben?


Einer meiner Lieblingsabschnitte in dem Text von Kerstin Hack ist jedoch dieser:

„Ich wünsche mir, dass Menschen es lernen, im ganz realen Leben Jesus zu folgen, so zu leben, wie er es tat. Predigten anzuhören macht jedoch keinen Christen zum Jünger, oder nur so wenig wie man durch das Ansehen der Sportschau zum Spitzensportler wird. Wachstum in der Nachfolge geschieht eher durch Gespräch, Begleitung, Auseinandersetzung etc. als durch passives Zuhören. Beim Umsetzen werden die Gottesdienstbesucher jedoch häufig allein gelassen – und das, obwohl viele Gemeinden das Ziel haben, Menschen zur Nachfolge Jesu zu befähigen. Aber sie sind an eine Form gebunden, die denkbar ungeeignet für das Einüben der Nachfolge ist.“

Wenn ihr wisst, wo es sowas in Hannover oder Umgebung gibt,. sagt mir bitte Bescheid.

Es gibt zwar schon richtig gute Konzepte und auch die Gottesdienste der "herkömmlichen" Gemeinden sind meiner Meinung nach oft besser, als ihr Ruf, doch das, was Kerstin Hack  hier beschreibt, suche ich noch.