Foto: aboutpixel.de / Hans Jörg Nisch

In diesem Blog veröffentliche ich lustige oder ernste Töne zu unterschiedlichen Themen, die mich bewegen.
Ich freue mich über jeden Kommentar.



Samstag, 24. Dezember 2011

Weihnachten, Go Home!

Weihnachten, Go Home! So denken viele. Weihnachtslieder, Weihnachtsmärkte, Weihnachtsstress, Geschenkestress, das alles ruft nur traurige Erinnerungen hervor. Vielleicht, weil man um einen lieben Menschen trauert. Vielleicht, weil eine Beziehung zerbrochen ist. Vielleicht, weil man sich trotz aller guten Vorsätze ausgerechnet jetzt so richtig gestritten und gegenseitig verletzt hat. Vielleicht, weil man eine schreckliche Diagnose bekommen hat. Vielleicht, weil gerade das ganze Kartenhaus über einem zusammenfällt.

Weihnachten Go Home! So schön, wie ich es selber finde, heute, am Heiligen Abend bei Kerzenlicht Weihnachtslieder zu singen, so sehr wie ich mich auf das leckere Weihnachtsessen und die Geschenke freue, auf leuchtende, glückliche Kinderaugen. Doch all das ist Dekoration. Mit Dekoration ist das so eine Sache. Ganz ohne Deko sieht eine Wohnung kalt und ungemütlich aus. Doch über Geschmack lässt sich streiten. Was dem einen gefällt, ist für den anderen nur hässlicher Kitsch.

Weihnachten wird es auch ohne Tannenbaum, ohne Geschenke, ohne Weihnachtslieder und sogar ohne Gottesdienstbesuch. Die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium berichtet eben nicht vom „holden Knaben im lockigen Haar“ und der Stall in Bethlehem hat auch nichts mit einer romantischen, gemütlichen Weihnachtsstube zu tun.
Natürlich wäre damals Platz in der Herberge gewesen, wenn Maria und Josef das nötige Kleingeld gehabt hätten.
Die Hirten auf dem Feld, die als erste die Weihnachtsbotschaft erzählt bekommen, sind Menschen, über die RTL wahrscheinlich in seiner Reihe „Familien im Brennpunkt“ berichten würde. 

Josef war am Boden zerstört, seine Frau Maria erwartete ein Kind, das nicht von ihm war. Das verkraften selbst heute viele Beziehungen nicht, damals war es neben der persönlichen Enttäuschung allerdings auch gesellschaftlich eine Katastrophe.

Herodes lässt aus blankem Neid alle Neugeborenen im Land töten. Aus reiner Machtgier.

DAS ist Weihnachten, heute genauso wie damals. Da wird die harte Alltagsrealität eben NICHT für ein paar Tage ausgeblendet und danach genauso weiter gemacht wie vorher. Jesus spürt von Geburt an, dass für ihn kein Platz in der Gesellschaft ist.
Er wird in einen unzumutbaren, stinkenden Futtertrog abgeschoben, damit man selber ungestört seine rauschenden Feste feiern kann. DAS ist Weihnachten - früher genauso wie heute.

Doch was ich an Weihnachten so sehr so liebe ist, dass Jesus aus Liebe alles aufgibt, um mit mir Gemeinschaft zu haben. Dass er mir liebevoll mit offenen Armen begegnet, weil er meine Lasten tragen möchte, die mir selber zuviel werden.

Weihnachten Go Home! Zurück zu deinen Wurzeln. Ich selber liebe z.B. den Tannenbaum in meiner Wohnung, einfach, weil er eine wunderbare Stimmung erzeugt. Doch manchmal kommt mir die Art, wie wir heute Weihnachten feiern vor, wie ein Tannenbaum, der schon gefällt ist, der noch einmal mit viel Aufwand geschmückt wird, den man vielleicht mühevoll wässert, weil man weiß, in dem Moment, wo man ihn gefällt hat, wo man ihn von seinen Wurzeln getrennt hat, war sein Ende nur noch eine Frage der Zeit. Er kann noch einmal ganz kurz in aller Pracht strahlen, doch irgendwann ist es vorbei. Dann passt er nicht mehr in unsere Wohnungen, er stirbt ab und wird entsorgt.
So ist es auch, wenn man das Weihnachtsfest von seinen Wurzeln trennt. Wenn es nur noch darum geht, tolle Geschenke zu machen, wenn es zu einem Wettstreit wird, wer die schönste Weihnachtsbeleuchtung oder das schönste Weihnachtsessen hat.

All das ist für mich wunderschöne Dekoration.

Der Kern jedoch ist die Weihnachtsbotschaft:


FÜRCHTET EUCH NICHT! Siehe, ich verkündige euch große FREUDE, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der HEILAND geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids


Freitag, 22. April 2011

Karfreitag oder: Über unseren Umgang mit dem Scheitern


Immer, wenn Menschen von einem Ereignis besonders erschüttert sind, wird viel geredet. Jeder hat etwas zu sagen. Ich schließe mich da nicht aus, sonst würde hier kein Text stehen. Die Berichte über die Kreuzigung Jesu sind solch ein Thema, das mich immer wieder erschüttert.

Und wie so oft, sagen die Beteiligten je nach Position und Einstellung ganz unterschiedliche Dinge. Und es ist durchaus die ein- oder andere Überraschung dabei.

Überrascht bin ich z.B. von dem Verbrecher, der wie Jesus am Kreuz hängt, der wie Jesus mit dem Tode ringt und dem in diesen letzten Stunden nichts Wichtigeres einfällt, als zu spotten. Doch wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich auch sehr oft mit dem Finger auf andere Zeige, über sie spotte. „Selber schuld, das hast du jetzt davon. Das geschieht dir recht.“ Solche Sätze gehören zum Umgangston und ich bin da keinesfalls der edle, fromme Außenseiter, der es besser macht. Vielleicht ist heute ein guter Tag, diese Gewohnheit einmal zu hinterfragen, denn geholfen hat sie dem Spötter nicht und mich hat sie bisher auch noch nie entscheidend weitergebracht.
 
Du bist doch der Messias, oder nicht? Dann hilf Dir selbst und hilf auch uns!“ Das ist zynisch. Auch ich werde manchmal zynisch, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Sollen doch die anderen die Probleme lösen. Ich war ja z.B. schon immer gegen Atomkraft. Dass ich dennoch fleißig dazu beigetragen habe, den Energieverbrauch von Jahr zu Jahr zu steigern, kann ich wunderbar durch Schuldzuweisungen verdrängen.
 
Ganz anders als dieser Spötter reagierte der zweite Verbrecher, der neben Jesus am Kreuz hing. Seine Worte sind nicht weniger merk-würdig: 

„Jesus, denk an mich, wenn Du Deine Herrschaft antrittst.“
Er macht für sein eigenes Scheitern niemand anderen verantwortlich - auch nicht Jesus. Das finde ich stark. Seine eigenen Fehler nicht zu vertuschen, ist selten geworden. Und er erkennt in diesem Moment, dass im Gegensatz zu ihm Jesus tatsächlich völlig unschuldig dieses Leid erträgt.
Die dritte Person, die mir aufgefallen ist, ist der Hauptmann. Er hat gewissermaßen nur seinen Job als Soldat gemacht, als er gemeinsam mit anderen Jesus ans Kreuz schlug. Er ist eine absolut tragische Figur. 
 
Foto: aboutpixel.de Fotograf: Pascal Can
Wie muss er sich gefühlt haben, als er plötzlich erkannte, was er angerichtet hat. Vielleicht hat er sich gefragt: „Worauf habe ich mich da nur eingelassen? Wie konnte ich nur?“ Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das auch manch Soldat fragt, egal ob im Irak, in Afghanistan, in Libyen oder anderswo. „Worauf habe ich mich da nur eingelassen?“ fragt sich vielleicht auch manch Politiker oder manch Verantwortlicher von Tepco in Japan, wenn langsam oder mit einem Schlag deutlich wird, welch unbändige Kraft da jetzt völlig außer Kontrolle geraten ist. 

Kommt die Reue nicht etwas spät? Einerseits schon. Jesu Kreuzigung ist nicht mehr rückgängig zu machen, auch der einsichtige Verbrecher wird neben Jesus am Kreuz sterben, in Japan werden die Folgen der Atomkatastrophe Jahrzehntelang die Region um Fukushima prägen und wir in Deutschland wissen auch noch nicht, wie und wo und ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, unsere atomaren Altlasten einigermaßen sicher zu lagern. Tragisch, wenn die Einsicht zu spät kommt und doch behaupte ich: Besser spät, als nie. Der einsichtige Verbrecher bekommt noch im Sterbeprozess eine paradiesische Zukunftsperspektive. Eine Perspektive, die er sich nicht verdient hat, ganz im Gegenteil. Er- und übrigens auch der tragische Hauptmann bekommen ihre Zukunftsperspektive durch die unglaublichen Worte von Jesus, der – Gott sei Dank -kurz vor seinem Tode auch noch etwas zu sagen hat:

Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ 

Diese Feindesliebe bis zum Schluss haut mich jedes Mal aufs Neue um, macht mich sprachlos und unglaublich dankbar.

Montag, 28. Februar 2011

Gedicht : Über mich


Ein Herz aus Wachs
Nährt Feuer und Glut,
Hingabe und Liebe,
neben Frechheit und Wut.

Im Kopf viele Träume
Verrückt und mal klug
Unendliche Räume
Und niemals genug


Keine Schablonen
Die Vielfalt regiert.
Neben Problemzonen
Auch Schönes, das ziert.


Mal billig und primitiv
 Wie auch wertvoll und gut
Manchmal unendlich lieb
Und abgrundtiefe Schuld


Mal verbissener Kämpfer
und manchmal ganz ohne Schneid,
mal ist die Angst mein Dämpfer,
mal siegt die Tapferkeit.


Ich  blicke zurück
Auf vergangene Zeit,
seh‘ Geschenke des Glücks
und Momente des Leids.


Das alles braucht Platz,
deshalb bin ich so rund.
Wenn die Figur dir nicht passt,
sag ich nur: Na und?


Mich gibt’s nur ganz und gar
Mit Schatten und Licht
Wer mich mit Fehlern nicht mag,
verdient auch die Stärken nicht!

Donnerstag, 27. Januar 2011

Kein Urteil im Namen des Volkes


Ich weiß nicht, ob Frau Dr. Bach schuldig war. Weder kenne ich die Einzelheiten der 13 Krankheitsfälle, um die es im Prozess ging noch habe ich das notwendige medizinische Wissen. Nicht einmal  die Richter, Staatsanwälte, Sachverständigen und Gutachter können dies sagen – nach fast achtjähriger Prozessdauer!

Deshalb finde ich es pervers, wenn die verantwortliche Staatsanwältin immer noch von einem fairen Prozess redet. Was ist fair daran, über einen solchen Zeitraum in den Medien als „Todesengel“ bezeichnet zu werden, der seine Patienten „totgespritzt“  hat? Wie lange kann man Schlagzeilen ertragen wie“ Todesengel verkauft jetzt Gesundheitspillen“?

Es ist auch interessant, zu beobachten, wie sich nach ihrem Selbstmord die Berichterstattung der Medien verändert hat. Von dem Grundsatz der Unschuldsvermutung war in den Beiträgen vorher jedenfalls wenig zu spüren. 

Was mich nachdenklich macht, ist, wie man auf Mechthild Bach aufmerksam wurde. Eine Krankenkasse wunderte sich über den aus ihrer Sicht hohen Verbrauch an Schmerzmedikamenten. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Palliativmedizin, denn muss sich jetzt nicht jeder Arzt fragen, ob er sich durch die nächste Morphiuminfusion vielleicht auch verdächtig macht? 
 
Ein Facharzt auf diesem Gebiet, der Palliativmediziner Professor Friedemann Nauck von der Uniklinik Göttingen nennt es ein großes Problem, dass Ärzte am Bett von Sterbenden verunsichert und alleine gelassen würden. Diese Unsicherheit könne dazu führen, dass Ärzte sich sagten: Bloß nicht zu viele Schmerzmittel!

Ich möchte nicht, dass Ärzte ihre Patienten lieber unnötig leiden lassen, aus Angst, ähnlich wie Frau Dr. Bach in einen Endlosprozess verwickelt zu werden. Ich möchte auch nicht, dass ein Arzt den Behandlungsplan vorher mit seinem Rechtsanwalt abstimmen muss.

  Foto: aboutpixel.de, Fotografin: Kirsten Oborny

Ich möchte keine „Durchschnittsmedizin“, sondern konkrete Einzelfallentscheidungen von Ärzten, die sich nicht nach üblichen Verbrauchskriterien der Krankenkassen richten.

Leider wird der dringend notwendige Ausbau der Palliativmedizin durch solche Endlosprozesse weiter belastet. Gleichzeitig dürfen Sterbehilfevereine wie der von Roger Kusch weiterhin ihre Dienste zum Preis von einmaligen 1000 Euro anbieten.

Für mich gehören die Verantwortlichen, die in diesem zermürbenden Prozess einen Menschen in den Selbstmord getrieben haben, endlich auf die andere Seite der Gerichtsbank.  

Samstag, 1. Januar 2011

Jahresrückblick Teil 2


Der Titel von Thilo Sarrazins Buch ist allerdings gar nicht so falsch, denn die Bundesregierung schafft sich tatsächlich ab. Zumindest schreibt sie ihre Gesetze wie z.B. zur Verlängerung der Pannenkraftwerke Atomkraftwerke nicht etwa selber, sondern überlässt dies den vier Atom(müll)riesen. Diese dürfen nun selbst entscheiden, welchen Anteil von den überhöhten Strompreisen sie nun in Form der Brennelementesteuer zurückgeben.  Als nächstes wird man wohl Steuerhinterzieher oder Bankräuber fragen, wie viel der Beute sie zurückgeben möchten.
Und was machen wir undankbaren Bürger? Wir regen uns darüber auf – sogar so schlimm, dass die Feuilletons für uns den Begriff Wutbürger erschaffen, der zum Wort des Jahres gewählt wurde. Statt dankbar dafür zu sein, dass man in Stuttgart ein unterirdisches ICE – Endlager errichten will, wird im Schlossgarten demonstriert, nur weil ein paar Bäume gefällt werden! Mit solchem Widerstand konnte von den Verantwortlichen nun wirklich niemand rechnen, in der Vorweihnachtszeit nimmt man das unsinnige Abholzen von Bäumen schließlich wesentlich toleranter hin.
Bei der Berechnung der Kosten für Stuttgart 21 hat man mal wieder gelogen sich offenbar etwas verrechnet, aber das sollte uns der Fortschritt schon wert sein.
 
Und Geld ist ja nun wirklich kein Problem für unsere Regierung. Immerhin hat Angela Merkel ihr politisches Versagen Können von Helmut Kohl gelernt, und wenn einer wusste, wie man Geld beschafft, dann er. 

Und was Stuttgart 21 betrifft: Immerhin haben wir dann nur noch 8 statt bisher 16 Gleise zur Verfügung, also 8 Gleise weniger, auf denen z.B. ein abgewrackter ICE steckenbleiben kann. Als die Straßenmeistereien von diesem genialen Konzept hörten, haben sie auf den Autobahnen auch nur noch die rechte Spur geräumt.

Das hätte sich ja auch keiner träumen lassen, dass es hier im Dezember friert und schneit. Ok, im Kalender steht zwar, dass wir Winter haben, aber die Klimaforscher haben doch gesagt, wir würden früher oder später alle überflutet – ok, Schnee ist streng genommen auch nur gefrorenes Wasser, trotzdem hatten wir bei Klimawandel eher an Malle gedacht als an Sibirien.

Aber ich mag den Winter, er zeigt mir nämlich, wie absurd wir Deutschen sind. Da sehnen wir uns jahrelang nach weißen Weihnachten und wundern uns dann, dass mit Schnee und Eis auch Verkehrsbeeinträchtigungen verbunden sind. Ja, es ist ja unerhört, dass  die Bahn hunderttausende gestrandete Fluggäste und Autofahrer nicht zusätzlich zu dem Feiertagsverkehr problemlos befördern kann. Nein, den Fluggesellschaften jetzt einen Vorwurf zu machen, das dort tagelang gar nichts geht, das wäre nicht gerecht, die müssen ja sogar unten bleiben, wenn in Island Staub aufgewirbelt wird. Bei der Bahn hätte man da schon längst nach standhafteren Triebwerken geschrien und von Missmanagement gesprochen.

Ich würde mir ja wünschen, dass BP auch eine Fluggesellschaft wäre, ich kann es nämlich gar nicht erwarten, dass die den Betrieb einstellen.

Den Betrieb eingestellt haben im letzten Jahr auch Leute wie Astrid Grotelüschen, Roland Koch, Ole von Beust, Horst Köhler, oder Walter Mixa.

Ich bin mal gespannt, ob unser Vizekannsnicht Westerwelle im nächsten Jahr auch in dieser Reihe steht.

Ein gesegnetes Jahr 2011 wünsche ich Ihnen